Tag 95: Ha Giang
38° Sonnig
Arbeit, Hitze und Glücksgefühle
Tag 95… das bedeutet ich bin schon drei Monate unterwegs, ein viertel Jahr… Unvorstellbar! Es fühlt sich eher an wie ein Jahr oder länger ;-). Vor kurzem wurde ich gefragt, wie es mir denn eigentlich so damit geht. Also meine grundsätzliche Stimmung unabhängig von meinen täglichen Erlebnissen, sondern einfach meine Grundstimmung zum Thema auf Reise zu sein. Nun ja, wie soll ich sagen… Mein Grundglücksgefühl ist seit drei Monaten doch sehr viel höher als normalerweise. Also auch wenn nichts außergewöhnliches passiert, bin ich einfach nur glücklich. Letzte Woche bin ich hier noch über einen einheimischen Markt geschlendert und habe mich gefühlt als wäre es das normalste auf der Welt und war einfach glücklich, dass ich mir gerade eine Ananas gekauft habe. Das Gefühl, dass die alltäglichen Dinge wie Einkaufen total normal werden, aber sie eigentlich überhaupt nicht normal sind, da die Menschen mich nach wie vor nicht verstehen (das mit dem vietnamesisch lernen ist hoffnungslos), ich immer noch wie ein Weltwunder angesehen werde, aber es für mich inzwischen alltäglich ist – das macht mich glücklich. Den ganzen Tag barfuß rumzurennen, maximal in Flip Flops, die Gerüche, die lächelnden Menschen, jeden Tag kleinere Herausforderungen zu meistern – und wenn es nur der Kauf von Shampoo ist, ist so toll. Haha, an der Herausforderung mir eine Haarkur gegen meine trockenen Spitzen zu kaufen bin ich leider gescheitert. Aber gut, das ist verkraftbar.
Also wie soll ich sagen, es war absolut die beste Entscheidung meines Lebens und ich freue mich immer noch wie ein Kind an Weihnachten, dass es gerade wirklich passiert :-).
Aber trotz dieses grandiosen Grund-Glücks-Pegel heißt es nicht, dass ich in einer Tour vor Glück platze. Es gibt auch Momente in denen ich kaputt, müde und gestresst bin. Besonders hier haben sich diese Momente gehäuft was glaube ich ganz normal ist, wenn man länger an einem Ort mit vielen Menschen ist und „arbeitet“. Hinzu kommt noch diese wahnsinnige Hitze, die mir doch mehr zusetzt, als ich es gewohnt bin. Normalerweise komme ich mit Hitze und Schwüle gut zurecht, aber hier ist es irgendwie schlimmer und anstrengender. Man ist dauerhaft kaputt und müde was aber vielleicht auch daran liegt, dass es auch nachts sehr heiß in den Zimmern ist und man schlechter schläft als sonst. Nun ja, wo ein Problem ist muss eine Lösung her. Meine Lösung heißt: „Sua Chua Deo“ – Ein Café mit Klimaanlage :-). Seit das Thermometer tagsüber die 37° Grad überschritten hat (seit mind. 4 Tagen) verbringe ich die Nachmittage immer hier zum Arbeiten.
Mit arbeiten meine ich an dem Film basteln von dem ich im letzten Beitrag geschrieben habe. Ich bin in den letzten Zügen und hoffe, dass ich diese Woche fertig werde. Der Unterricht mit den Kids ist zur Zeit nur vormittags und Do&Fr Nachmittag, sodass es gerade etwas ruhiger ist. Vormittags sind wir immer im Waisenhaus und es macht mir von Tag zu Tag mehr Spaß. Inzwischen kenne ich die Kids, die Kids kennen mich und es ist wirklich eine super schöne und erfüllende Aufgabe. Jede Woche haben wir ein Thema und vermitteln den Kids spielerisch die Vokabeln. Letzte Woche hatten wir das Thema Körperteile.
Nach dem Unterricht haben wir noch eine gute Stunde Zeit und machen dann etwas Sport mit allen die Lust haben. Meine Kollegin Maggie unterrichtet meistens Karate, woran ich dann auch teilnehmen kann und manchmal darf ich die Kids durch die Gegend scheuchen ;-).
Es ist wirklich toll zu sehen, dass die Kids Fortschritte machen und durch den Unterricht was lernen. Und wenn morgens 20 Kids auf dich zu laufen, lachen, winken und Hellooooo schreien, ist das schon echt ein schönes Gefühl.
Tja, aber was mir gar nicht so bewusst ist, dass Ende ist schon wieder greifbar. Voraussichtlich werde ich nämlich nächste Woche Mittwoch schon weiterziehen. Gerade fühle ich mich noch nicht bereit weiterzuziehen. Ich genieße diesen Alltag doch sehr und muss mal gucken, wie es so die nächsten Tage wird. Wenn sich keine Vorfreude auf das Reisen in „Sapa“ einstellt, dann überlege ich mir einfach, noch ne Woche zu bleiben und dafür „Sapa“ zu streichen. Am Wochenende mache ich nämlich eine 3 Tages Tour mit einem der Dorfbewohner und vielleicht reicht mir das an Erfahrung im Norden von Vietnam. Grundsätzlich war es geplant noch ein paar Tage in Sapa zu verbringen, bevor es dann nach Laos geht. Aber die Gegend hier im Ha Giang ist wohl genauso schön wie die Region um Sapa und daher reicht mir das vielleicht nach meinem Wochenend-Trip zum nördlichsten Punkt Vietnams. Wir werden sehen und ich lasse es einfach auf mich zukommen. Kein Stress :-).




