Tag 108: Sapa Vietnam
24° bewölkt
ohne mein Motorrad im Touri-Bergdorf Sapa angekommen
Nach 24° fühlt es sich nicht wirklich an, eher nach 28°… Aber das ist völlig egal. Unter 30° und dazu die schön frische Bergluft. Ein Traum! Ich konnte mich wieder unter eine Decke kuscheln und genieße es warme Getränke zu trinken. Herrlich!
Vor zwei Tagen habe ich Ha Giang mit sehr gemischten Gefühlen verlassen… Sehr gemischte Gefühle. Das emotionalste zu erst. Mein Kollege hat mir Emily abgekauft. Das ist zum einen super toll, da ich weiß, dass sie in guten Händen ist und ich den Preis bekommen haben, den ich auch gezahlt habe. Aber ich hatte wirklich Tränen in den Augen, als ich ihr Tschüß gesagt habe. Zwei Monate haben wir zusammen verbracht und wie ihr wisst haben wir echt einiges erlebt. Zum einen bin ich traurig dem Motorrad Auf Wiedersehen zu sagen und zum anderen war damit klar, dass mein Roadtrip vorerst ein Ende hat. Ein Roadtrip der mich so wahnsinnig glücklich gemacht hat, wie ich es niemals erwartet hätte. Zudem musste ich mit dem Abschied noch etwas sehr sehr wichtiges aufgeben. Meine Flexibilität! Ich musste mir am Samstag ein Taxi rufen um zur Busstation zu kommen um dort auf eine schreckliche Busfahrt zu warten. Davon erzähle ich euch später mehr…
Zudem musste ich den Kids Tschüß sagen was auch traurig war. Die Kleinen sind mir doch ganz schön ans Herz gewachsen und es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten. Und genauso meinen Kollegen Auf Wiedersehen zu sagen war nicht ganz einfach. Wir waren zum Schluss eine echt lustige und super Truppe, die sich sehr gut aufeinander eingestellt hat. Ein kleiner Familienersatz ;-).
Die Zeit in Ha Giang war aber auch intensiv. Zum einen ist man nie allein, es war einfach nur wahnsinnig heiß, es gab immer was zu tun und die Schicksale der einzelnen Kids nehmen einen unterbewusst dann doch mehr mit als man möchte. Von daher konnte ich die Zeit dort gar nicht unbedingt für mich nutzen, so wie es ursprünglich geplant war. Aber das ist nicht schlimm, da ich unheimlich viel von der Zeit dort mitnehmen kann. Aber ich merke auch, dass ich dringend ein paar Tage Ruhe und Zeit für mich brauche.
Nun ja und am Samstag bin ich also mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Sapa aufgebrochen. Der Bus hatte eine Stunde Verspätung, wurde auf dem Weg vollgepackt mit irgendwelchen Säcken, die Lüftung hat nicht funktioniert, weshalb auf der Schotterpiste die Fenster geöffnet wurden und der Minibus voll mit Staub und Sand war. Zudem haben sie versucht mir den vierfachen Preis abzuknöpfen und ich durfte ne halbe Stunde mit ihnen diskutieren. Manchmal ist es doch sehr ermüdend immer aufzupassen, dass man nicht komplett abgezogen wird. Und als mir dann noch einer der Gäste während einer Pause an den Hintern gepackt hatte, war meine Laune nicht mehr ganz so rosig. Er hat es aber schnell gemerkt, dass das nicht so cool war und hat sich verzogen. Der nächste der es probiert hätte wäre die Klippe runtergefallen. Ziemlich sicher! Ich bin den meisten Herren hier ja körperlich überlegen ;-). Auf jeden Fall habe ich „Emily“ in dem Moment doch waaaaahnsinnig vermisst. In Lao Cai musste ich dann umsteigen und in dem anderen Bus ist meine Laune schnell wieder gestiegen. Die Preise standen dran (also kein Verhandeln), die Klimaanlage hat funktioniert, der Ausblick war wunderschön und neben mit saß ein schwedisches älteres Ehepaar, dessen Vater aus Herford kommt. Also dem Nachbarstädtchen meines Heimatorts. Haha total witzig, im Norden Vietnams trifft man jemanden mit dem man sich über den Vanille Pudding Duft in Bielefeld unterhalten kann.
In Sapa angekommen bin ich dann in ein typisches Backpacker Hostel gezogen. Ich glaube es ist das erste klassische Hostel seit Saigon. Diese klassischen Touristen Orte haben ihre Vor- und Nachteile. Es ist toll, dass man sich verständigen kann. Ich kann die Menükarte lesen und verstehen. Alle Fragen die man hat können schnell durch Schilder oder Fragen beantwortet werden. Es gibt fast alles was das Touristen Herz begehrt. Aber es ist halt auch weniger ursprünglich und natürlich. Die Frauen hier tragen ihre traditionelle Kleidung nur, damit sie schneller was verkaufen. An jeder Ecke wird man angequatscht „Shopping?“ und viele andere Touris sind hier zum feiern und es werden abends alberne Trinkspiele im Hostel gespielt. Haijaijai, vor zehn Jahren war ich noch mittendrin bei den Partyabenden und jetzt freue ich mich, wenn sie endlich aufhören und weiterziehen. 😀 Ich glaube ich hatte es schon mal erwähnt, das Reisen mit Anfang 30 ist definitiv anders als mit Anfang 20. Und das finde ich gar nicht schlimm, sondern freue mich darüber, dass ich abends um 22.00 im Bett liege und morgens beim Frühstück eine der ersten bin.
Dadurch, dass die Ha Giang Zeit doch sehr intensiv war und ich ne leichte Erkältung habe, habe ich mir zwei komplett freie Tage gegönnt. Gestern lag ich eigentlich nur im Bett, habe Serien geguckt, telefoniert und ein wenig für Laos recherchiert. Heute habe ich es immerhin aus dem Bett geschafft und sitze gerade in einem sehr hübschen Café, schreibe am Blog, sortiere Fotos und versuche meine Gedanken ein bißchen zu sortieren. Das tut wirklich wahnsinnig gut.
Morgen werde ich mir ein Motorrad mieten mir die wunderschöne Umgebung ansehen und am Mittwoch oder ggf. Donnerstag werde ich mich dann auf den Weg nach Laos machen. Meine Vietnam Zeit nähert sich dem Ende. Aber ich freue mich auch wahnsinnig auf die zwei Wochen „Urlaub“ mit einer Freundin aus Deutschland, der am kommenden Samstag in Luang Prabang in Laos startet…
