Heimat…

2 Jahre, 4 Monate und 3 Tage (=856 Tage): Tallinn, Estland

20° – heiter bis wolkig

Zurück in Deutschland und die CC Konferenz in Tallinn

Meinen letzten Beitrag habe ich geschrieben kurz bevor ich zurück nach Europa geflogen. Das sind mal gerade 7 Wochen, aber gefühlt schon wieder ewig her. Aber das liegt wohl auch daran, dass die letzten Wochen picke-packe voll waren mit Eindrücken, Emotionen und Action.

Am 14.06.17 war es dann tatsächlich soweit und ich saß im Flieger nach Deutschland. Oh man… Das war ein Gefühl. Ich hatte Herzrasen, Schmetterlinge, die Gedanken haben sich überschlagen und ich wollte einfach nur endlich da  sein. So ein 12 Std. Flug kann dann plötzlich noch viel länger werden, als er sowieso schon ist. Die Tatsache, dass fast alle um mich herum deutsch sprechen war schon etwas komisch :-D. Ich habe beim Flugbegleiter das Wasser auch immer auf Englisch gestellt, weil das irgendwie nicht in meinem Bewusstsein war deutsch zu sprechen.

In Köln angekommen habe ich regelmäßig fröhlich vor mich hingejuchzt als ich alles in deutsch lesen konnte und der nette typisch kölsche Zollbeamte mir erklärt hat, wie ich dieses komische elektronische Passport-Scanner Ding benutze und dass ich mich nicht in die Schlange einreihen brauche, wo es den Stempel gibt. Ich bin ja schließlich in Deutschland und bekomme dafür keinen Stempel. 😉

Meine wundervolle Freundin Rebecca hat mich dann mit ❤ Willkommen Schild, Kölsch und Kinder Pingui begrüßt womit die Ankunft nicht besser hätte sein können :-). Insgesamt war ich eine Woche in Köln und hatte einfach nur eine unfassbar tolle Zeit. An dieser Stelle noch mal ein riesen Dankeschön an Rebecca, Alex und Familie, dass ihr mir einen so grandiosen Start in Deutschland ermöglicht habt!!! :-*  Das war einfach nur traumhaft.

Aber ich kann euch sagen… Die ersten Tage war ich sowas von reizüberflutet. Zum einen die Tatsache in Köln zu sein, in meinem alten Veedel, wo ich damals gewohnt habe, die falsche Straßenseite auf der die Menschen fahren und gehen, mit Euro zu bezahlen, jeder spricht deutsch mit mir und ich musste das Klopapier nicht in den Eimer daneben werfen, sonder direkt ins Klo. Verrückt! Mein erster Besuch im REWE war wie ein Besuch im Schlaraffenland und ich musste erst mal jedes zweite Produkt in Ruhe inspizieren. Fruchtzwerge zum Beispiel 😀 . Keine Ahnung wann ich das letzte Mal an Fruchtzwerge gedacht habe, daher musste ich sie erst mal direkt kaufen. In Köln habe ich mich mit alten und neuen Freunden getroffen, habe die Sonne genossen und mich gefreut, dass alles so schön vertraut ist.

Nach einer Woche ging es ab nach Bielefeld, wo die nächste Überforderung auf mich gewartet hat. Meine Klamotten! 😀 😀 😀 Diesen Moment, wenn man anfängt die ersten Kisten auszupacken und Dinge wieder zu entdecken, die jahrelang zu deinem Alltag gehört haben, kommt ein ganz interessanter Gefühlsmix zustande. Schmuck, Klamotten, Parfüm und Gedöns, das alles gehörte zu meinem Alltag und hat viele Erinnerungen hoch geholt.

Und zeitgleich habe ich mich geschämt für den ganzen Kram den ich habe. Welcher Mensch braucht denn bitte 5 Jeans?!?! (Die übrigens alle verdammt eng sitzen :-D. Da war wohl zuviel gutes Essen im Spiel, in den letzten zwei Jahren). Dadurch, dass ich die komplette Zeit aus dem Rucksack gelebt habe und ich diesen minimalistischen Lebensstil sehr zu schätzen gelernt habe, habe ich mich wirklich geschämt, dass ich vorher so im „Übermaß“ gelebt habe. Ein sehr spannendes und komisches Gefühl zu gleich… Aber halt auch cool endlich mal wieder die Auswahl an Klamotten zu haben.

Nach einer gefühlt viel zu kurzen Zeit, habe ich mich auf den Weg nach Estland gemacht. Übrigens mit einem großen Koffer voller Klamotten – wer kann der kann – und ich wollte noch einmal im Übermaß leben bevor ich den ganzen Kram wegtue. 😉 . In Tallinn war Anfang des Monats die Konferenz meiner Online-Community. Die gibt es zwei mal im Jahr. Letztes Jahr war ich im Februar in Bangkok, Anfang diesen Jahres in Ho-Chi Minh und diesen Sommer dann in Estland. Ich habe mich auch hier wahnsinnig darauf gefreut die ganzen Knalltüten, die ich inzwischen ganz gut von den Konferenzen oder der gemeinsamen Zeit auf Bali bzw. Chiang Mai kenne, wiederzusehen.

Tja und was soll ich sagen. Meine Erwartungen und Vorfreude wurden sowas von übertroffen, dass ich es immer noch nicht glauben kann. So viele wundervolle, inspirierende Menschen an einem Ort, unglaublich. Ich kann diese Stimmung und Atmosphäre nicht ansatzweise beschreiben, es war einfach nur magisch. Stellt euch mal vor ihr trefft auf 150 Personen, die ihr teilweise schon kennt. Und egal wann und mit wem ihr redet, es ist immer super lustig, super inspirierend oder mega tiefgründig. Keine Ahnung warum, aber wir treffen uns alle auf einer Ebene, die man ganz schlecht beschreiben kann. Es herrscht eine grenzenlose Akzeptanz untereinander. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch hat seine Schwächen und Stärken und das ist auch gut so. Man wird nicht bewertet, sondern zu 100% so akzeptiert, wie man ist und es wird geschaut, wie man das Beste aus sich heraus holen kann. Das klingt jetzt vielleicht etwas abgedroschen und sehr hippie-like, aber das sind alles ganz normale Menschen wie du und ich. Nur dadurch, dass wir alle einen ähnlichen Lebensstil gewählt haben ist die Verbindung direkt sehr stark. Und irgendwie haben sie alle einen Vollknall, wodurch ich mich doch sehr heimisch gefühlt habe. Zwei Wochen ging das ganze Spektakel und ich habe so unendlich viel gelacht und so wunderschöne Gespräche geführt, die meinem Herz und Seele einfach nur gut tun.

Ein paar Eindrücke:

Paintball:

Ganz viele Herzensmenschen an einem Ort und wir sind immer noch mit einem kleinen Grüppchen vor Ort. Alle anderen Teilnehmer sind schon vor längerem abgereist und wir bleiben noch eine weitere Woche. Zum arbeiten und entspannen… Diese ist nämlich in den letzten Wochen zu kurz gekommen. Ich habe mir fest vorgenommen, die nächsten Tage ganz ruhig anzugehen, da ich doch merke, dass die letzten Wochen mit ziemlich mitgenommen haben. Sowohl körperlich als auch emotional.

Die Wiederkehr nach Deutschland war spannend, aufregend und toll. Aber trotzdem setzen Gedankengänge ein, die ich gar nicht steuern kann. Ich hinterfrage viele Dinge gerade, mir wird bewusst welche Vor-, aber auch Nachteile mein Lebensstil hat. Das ist ziemlich emotional und teilweise sehr anstrengend, das alles zu verarbeiten. Aber ich habe glücklicherweise ein paar wundervolle Menschen um mich herum, die mir Kaffee kochen, mir Taschentücher und Umarmungen geben, wenn ich sie benötige und einfach verstehen was gerade in meinem Kopf und Herz vorgeht. Da ich gerade noch mitten drin stecke das ganze zu durchdenken, kann ich es noch nicht in Worte fassen. Lasst es mich versuchen… Mir wird glaube ich gerade sehr bewusst, wie groß der Unterschied zwischen meiner Vergangenheit und Gegenwart ist. Das ist nichts Schlimmes, das ist einfach nur eine Tatsache, die ich nicht ändern kann. Und trotzdem muss ich dazu viele Gedanken denken und vor allem zu lassen. Leben ist halt nicht immer so einfach…

Dadurch, dass ich aber schon in den letzten Wochen und Monaten gemerkt habe, dass ich komplett auf der Überholspur gelebt habe und mir viel zu wenig Zeit genommen habe um mal zur Ruhe zu kommen, habe ich meine Pläne mal wieder etwas umgeworfen. Mein Köpfchen ist gerade nicht bereit für ein neues Abenteuer, sprich Kanada. Ich brauche etwas Pause von neuem Input. Ich möchte gerade einfach nur irgendwo „Sein“. So ganz normaler Alltag… Aufstehen, frühstücken, arbeiten, zum Sport, abends auf ein Bierchen mit Freunden treffen und Samstags in Stadion zum Fußball gucken :-D. Keine Aufregung, keine Entscheidungen, sondern einfach mal ganz ruhig für länger als 4 Wochen. Daher habe ich mich entschieden zurück nach Chiang Mai zu gehen. Und so wie es aussieht auch für 3-6 Monate. Viele meiner Freunde von hier werden auch da sein und das bestärkt mich in der Entscheidung. Noch habe ich keinen Flug gebucht, aber da ich merke, dass alles in mir nach Chiang Mai als „Homebase“ schreit, werde ich wohl ganz schnell fliegen. Ende August habe ich noch einen beruflichen Termin in Berlin und von da aus werde ich dann wohl mehr oder weniger direkt losziehen. Das bedeutet, dass ich es nicht überall hin schaffe, wo ich hinwollte, wie z.B. Frankfurt, noch mal Köln, aber das holen wir dann beim nächsten Deutschland Aufenthalt nach… Und alle, die ich dieses mal nicht sehen konnte, oder viel zu kurz, sind natürlich herzlich eingeladen mich in meiner Wahlheimat Chiang Mai zu besuchen ❤ .

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