Sumatra 2 – Simolap das Leben im Dschungel

Simolap, ein Ort im Dschungel, an dem die Welt noch etwas anders funktioniert. An diesem Ort gibt es die so genannten HotSprings, eine heiße Quelle mitten im Nichts. Vor einigen Jahren wurde ein Pool gebaut, der mit dem Wasser aus den heißen Quellen gefüllt wird. Für die Einheimischen ist dies ein mystischer vielleicht auch etwas heiliger Ort und sie kommen gerne hin, um schwimmen zu gehen oder einen Ausflug zu machen. Dafür, dass dieser Ort fernab der Zivilisation ist, ist dafür dann doch ganz schön was los.

Naja und so ganz fernab von allem ist er auch nicht. Das nächste Dorf ist ca. 20min fußläufig entfernt, aber ich glaube in diesem Ort leben ca. 100 Personen. Aber immerhin haben sie Strom und der wurde angezapft, sodass es in Simolap auch Strom gibt, was einen ziemlichen Luxus mit sich bringt. Der Reiskocher funktioniert! 😀 .

Naja und es gibt Strom für Licht und zum Aufladen der Handys, die dort aber nur als Kamera und Taschenlampe benutzt werden, denn es gibt genau gar keinen Empfang. Am letzten Tag haben wir herausgefunden, dass man manchmal am dritten Durian Baum rechts Nachrichten empfangen kann. 😀 Aber eigentlich war die Offline Zeit wirklich sehr entspannend und ich habe nichts vermisst.

Rund um die Hot Springs wurde im Laufe der Zeit eine Art Campingplatz gebaut und es wohnen 5-15 Personen fest vor Ort. Es gibt verschiedene Hütten und Baumhäuser, in denen die Bewohner leben. Fast alles wurde aus natürlichen Materialien aus dem Wald gebaut und damit ist das Baumhaus ein richtiges Baumhaus, so wie bei den verlorenen Jungs von Peter Pan. Natürlich haben Lena und ich uns dieses Haus ausgesucht, denn wann hat man denn schon mal die Chance in einem Baumhaus zu leben <3.

Am ersten Tag sind wir erst mal nur angekommen. Haben das Camp und die Community kennen gelernt. Die Stimmung dort ist unfassbar entspannt und harmonisch. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bewohner alle unentwegt das so genannte Jungle-Gras rauchen 😀 . Dieser Ort strahlt einfach eine Ruhe aus und die Zeit tickt viel langsamer.

Abends wurden wir fürstlich bekocht und saßen ganz entspannt zusammen.

Vorher wurde uns von Virgina aber noch gezeigt, wie das so mit der Körperhygiene funktioniert. Denn… Fließendes Wasser aus der Leitung gab es nicht, das einzige fließende Wasser war der Fluss, der einmal rund um das Camp fließt. Und in genau diesem wird geduscht, sich die Zähne geputzt und auch das Geschirr gewaschen.

Grundsätzlich ja kein Problem, aber da es sich um ein hauptsächlich muslimisches Land handelt, müssen die Frauen ihren Körper ja immer bedecken. Das heißt wir haben komplett angezogen im Fluss geduscht :-D.  Etwas gewöhnungsbedürftig und vielleicht haben wir auch mal, die Dunkelheit der Nacht mal genutzt, um ganz nackig reinzuspringen. Aber psssst, nicht verraten. 😉

Aber irgendwie wird man mit der Zeit auch entspannter, dann ist die Körperhygiene vielleicht nicht gleichzusetzen mit der von Zuhause. Es geht ja allen so.

Aber das ist schon eine abgefahrene Erfahrung. In der Dunkelheit in einem Fluss zu stehen, um einen herum nur Dschungel und keine Menschenseele. Lena und ich waren des öfteren froh, dass wir diese Erlebnisse teilen konnten und nicht ganz alleine waren. Und dadurch, dass wir uns von Anfang an so super gut verstanden hatten, konnten wir glücklicherweise auch unsere Erfahrungen auf dem Stehklo, auf dem es kein Toilettenpapier und kein fließend Wasser gab, teilen. Das einzige Hilfsmittel war ein Bottich mit Wasser und eine kleine Kelle. Ich überlasse es eurer Fantasie, wie man dort gewisse Geschäfte verrichtet… 😉

Die erste Nacht im Baumhaus war aufregend. Wir hatten eine Matratze, ein Moskitonetz und zwei Kissen, bei denen wir aber beide relativ schnell entschieden haben, sie zur Seite zu legen und nicht weiter zu hinterfragen, welche Lebewesen es sich auf und in diesen schon gemütlich gemacht haben. Es ist wirklich mega abgefahren. Da liegt man, mitten im Dschungel, über einem Fluss, in einem Haus, das nur aus Ästen und Bambus gebaut hat und um einen herum nur Naturgeräusche. Die größte Herausforderung war es aber dem Körper klar zu machen, dass unter keinen Umständen nachts wach werden dufte, um auf Toilette zu gehen. Die Stufen aus dem Baumhaus heraus waren sehr abenteuerlich und auch der Weg zum „Toilettenhaus“ war relativ weit. Die Erfahrung, diesen Weg mitten in der Nacht hinter sich zu bringen, wollten wir beide verhindern und haben das auch erfolgreich geschafft. Gut, wenn der Körper auf einen hört.

Am nächsten Morgen wurden wir von den Affen und Dschungelgeräuschen, naja eigentlich war es der Hahn, geweckt. Im Fluss waschen und ab zum Haupthaus, wo die Jungs schon „Coppie“ vorbereitet haben. Nach einem entspannten Frühstück haben wir uns fertig gemacht und sind in den Garten, um ein paar Bäume zu pflanzen und Chilis zu pflücken. Dieser so genannte Garten war für Lena und mich erst nicht wirklich ersichtlich, da es genauso aussah wie im restlichen Dschungel, aber so nach und nach haben wir das System verstanden 😀 .

Dort wird auch gerade ein Volontär Haus gebaut, in dem dann zukünftig die Volontäre, die von Project Wings kommen, wohnen können. Nach einer entspannten und lustigen Mittagspause haben wir noch ein Süßkartoffelbeet angelegt und sind dann zurück zum Hauptcamp.

Wohlverdient haben wir uns fertig gemacht und sind das erste mal in den Pool zum schwimmen. Natürlich wieder komplett angezogen, eine Tatsache an die ich mich nur sehr schwer gewöhnen kann. Und hinzu kommt, dass so heiße Quellen ja einen leichten Schwefelduft mit sich bringen und der auch immer noch in meinen Klamotten festhängt. Aber hey, das war es wert, denn nach einem Tag harter Arbeit ist so ein Bad in einem ca. 39° heißen Pool doch sehr entspannend. Und sobald es zu heiß wird springt man dann in den Fluss und fühlt sich wie nach einem Saunagang.

Zurück im Haupthaus haben die Jungs schon angefangen das Essen vorzubereiten. Zwischendurch ging dann anscheinend das Gas aus, woraufhin einer der Jungs mit dem Motorrad mal kurz los ist, um einen neue Kartusche zu besorgen. Auch das scheint im Dschungel innerhalb von 40min möglich zu sein.

Dann ist auch noch der Strom kurz ausgefallen und irgendwie hat es eins der Hühner geschafft sich auf einem der Dachbalken niederzulassen, was wir dann gesehen haben, als das Licht wieder an war. Das scheint häufiger zu passieren, denn alle wussten was sie zu tun haben. Licht aus, Leiter ran stellen, hochklettern und das Huhn überraschen und es bei den Füßen fassen. Nach einem mega lauten Getöse war das Huhn dann wieder unten und Lena und ich haben uns nicht mehr eingekriegt vor Lachen. Was für eine skurrile Situation und die anderen hatten alle Spaß daran, dass wir Spaß haben.

Am nächsten Tag war klar, wir gehen Bäume pflanzen. Dafür sind wir ja schließlich da und hatten 150 Bäume, bei Erna, der lokalen Eco Farmerin, abgeholt und im Taxi mit nach Simolap gebracht. Rein in die neu erworbenen Rubberschuhe, die in Bukit Lawang jeder Guide trägt. Ein Schuh aus Kautschuk erstellt, der aussieht wie Fußball-Schuhe, da er Noppen hat. Damit ist man optimal vorbereitet für rutschigen Dschungel Boden und wenn man mal durch den Fluss muss, was häufiger vorkommt, trocknen die Schuhe ganz schnell wieder. Die 1,50,- sind sehr gut investiertes Geld! Unsere Baumpflanze-Dschungel-Crew war natürlich – wie es sich für Asien gehört – in Flip Flops unterwegs.

Der Weg zur Replantation Area im Gunung Leuser National Park war echt super schön, aber teilweise schon auch herausfordernd. Es ist halt ein echter Dschungel Pfad und kein für die Touristen freigehakter Weg. Nach dem ersten richtigen Anstieg waren Lena und ich gut aus der Puste und die restliche Wandercrew sah so aus, als kämen sie gerade vom Wellnessprogramm.

Virgina, die Französin, die vor einiger Zeit ausgewandert ist, ist total Pflanzeninteressiert und möchte die traditionelle Heilkunst aufrechterhalten. Sie ist wie so eine Elfe durch den Dschungel geschwebt, hat alle möglichen Blätter angefasst, daran gerochen, eingesammelt und war voll in ihrem Element. Und während Lena und ich mit dem Berg kämpften schwebte sie so hinter uns her, in ihren FlipFlops und hat schön ihr Dschungel Grass geraucht. Unfassbar 😀 !

An der Replantation Area angekommen waren wir erst mal baff. Das wir mitten im Dschungel sind wussten wir ja. Aber wenn man dann auf so eine Art Hochebene kommt, wo man dann erst mal sieht, wo wir uns befinden, ist man noch mal mehr geflasht. Um uns herum tiefster und dichtester Dschungel. Überall, rundherum nur Bäume, nur grün, einfach nur wunderschön ❤ .

Da wir auf unserer kleinen Wanderung nicht auch noch die Bäume mit uns herumtragen wollten, hat einfach einer der Jungs, die jungen Bäume mit seinem Motorrad vorbeigebracht, standesgemäß transportiert im Rucksack…

Wir haben einige Zeit auf der Hochebene verbracht und Bäume gepflanzt 🙂 . Nach dem Mittagessen haben wir uns auf den Rückweg gemacht, aber nicht auf direktem Wege, sondern wir sollten ja schließlich auch was von dem Dschungel sehen. Hallelujah…

Ich glaube das war mit Abstand die aufregendste Wanderung meines Lebens. Tiefster, dichtester Dschungel im Gunung Leuser National Park, mitten auf Sumatra. Ich habe mir bildlich immer vorgestellt, wie es aussehen würde, wenn Google Maps jetzt rauszoomen würde – vermutlich sehr sehr grün. Bilder gibt es nicht so viele davon, da ich mich aufs Laufen konzentrieren musste 😉 .

Einen Weg gab es nicht wirklich. Einer der Jungs ist mit der Machete in der Hand vor uns hergelaufen und hat den Weg frei gemacht. Teilweise war es super steil und wir mussten ziemlich aufpassen, wo wir hintreten und dass wir nicht wegrutschen. Wir haben uns von Liane zu Liane gezogen, sind gerutscht, mussten über Steine klettern, unter Ästen her krabbeln und ich war fasziniert, beängstigt und habe einfach nur gehofft, dass nichts passiert.

Irgendwann habe ich gesehen, dass Norman, der Macheten-Mann seinen einen Flip Flop in der Hand hält, weil er kaputt gegangen ist. Also, was auch sonst… läuft man halt halb barfuss, halb FlipFlop durch den Dschungel, mit der Machete in der Hand.

Hinter uns tänzelte Virginia weiterhin durch den Dschungel, mit dem Joint in der Hand und war von jeder dritten Pflanzen unfassbar fasziniert, als hätte sie noch nie sowas wunderschönes gesehen.

Was für eine Reisetruppe… Was für eine skurrile Situation 😀 . Und das alles mit der latenten Angst, sicher und heile wieder im Camp anzukommen.

Nach einem Zwischenstopp an einer Wasserfallrutsche, haben wir es dann auch zur Dämmerung bis nach Hause geschafft. Ich war schon lange nicht mehr so mental und körperlich erschöpft, wie an diesem Tag. Es war unfassbar toll, eine mega Erfahrung, aber ich glaube mehr Abenteuer bei Dschungel Wanderungen brauche ich nicht unbedingt 😀 . So ein kleiner Trampfelpfad ist doch schon ganz nett. Und trotzdem bin ich unfassbar froh über diese Erfahrung!

Die nächsten Tag haben wir viel im Camp gebaut, mit den Jungs abends Karaoke gesungen und unsere ersten Blutegel Erfahrungen gemacht.

Die Zeit in Simolap war wirklich einzigartig. Ich habe mich aber häufiger dabei erwischt, dass ich mich auf die Zivilisation freue. Im Dschungel leben ist eine tolle Erfahrung und ich hätte es noch gut ein paar Tage oder sogar Wochen da ausgehalten. So ein unfassbar schöner Ort, an dem man einfach nur „sein“ kann und sich auf die Grundbedürfnisse fokussiert.

Irgendwie gibt mir das eine Art Tiefenentspannung, die ich nicht erklären kann. Es ist eine Art Wertschätzung ans Leben. Ein Dankeschön, dass es einen Fluss gibt, in dem man sich und seine Sachen waschen kann, ein Dankeschön, dass die Natur so furchtbar kluge Dinge, wie Holz, Bambus und Obst hat und ein Dankeschön wie schön die Gesellschaft von anderen Menschen ist, egal ob redend, singend, lachend oder schweigend.

Und Nein, ich habe nicht zuviel Dschungel-Grass geraucht 😀 . Ich habe nur einmal den so genannten Dschungel-Juice probiert, irgendein wilder Mix aus vergorenen Früchten, von dem ich nicht zu viel trinken wollte und konnte.

Und zurück in der Zivilisation freut man sich plötzlich sehr über fließend Wasser aus dem Hahn, das bringt schon einen enormen Luxus mit sich. Und einen Raum mit Tür, sodass man sich in Ruhe umziehen kann, ohne Angst zu haben, dass gleich jemand um die Ecke kommt und eine leicht bekleidete Frau sehen könnte. So ein Baumhaus ist ja schon nach allen Seiten offen 😉 .

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