Sumatra 3 – Bukit Lawang

Schon mal vorab, ich habe mich furchtbar in Bukit Lawang, in die Menschen und in all die tollen Projekte vor Ort verliebt. Dieser Ort ist wirklich was ganz besonderes ❤ .

Project Wings

Wie bereits kurz erwähnt war ich im Rahmen einer deutschen Hilfsorganisation vor Ort. Die Jungs und Mädels von Project Wings unterstützen verschiedene Kooperationspartner auf Sumatra und werden das größte Recyclingdorf der Welt bauen. Wenn alles gut läuft, geht es Anfang 2020 los mit dem Bau. Das Dorf wird u.a. aus recyceltem Plastik, in Form von so genannten Eco-Bricks, gebaut. Die Einheimischen haben die Möglichkeit Eco-Bricks (1,5l PET Flaschen gefüllt mit gesäubertem Plastikmüll) an das Projekt zu verkaufen, wodurch sie zum einen Geld verdienen und zeitgleich Plastik recyclen.

An dem Bau beteiligen sich verschiedene lokale Kooperationspartner, die bereits ihre eigenen kleinen Organisationen haben und teilweise seit Jahren schon im Bereich Umweltschutz, Recycling, Erhaltung der Artenvielfalt und Aufklärung arbeiten. Project Wings unterstützt diese Kooperationspartner mit Spenden aus Deutschland, damit sie ihre Projekte vorantreiben können und dann im nächsten Jahr gemeinsam das Recycling Dorf aufbauen können.

Es gibt in Deutschland ein Team, die das Fundraising betreiben, die in den Einkaufsstraßen Deutschlands zu finden sind, mit Unverpackt Läden kooperieren und über Social Media versuchen möglichst viele Menschen zu erreichen. Das Geld kommt wirklich bei den Locals an und es ist einfach toll zu sehen, wie Project Wings mit den Kooperationspartner zusammenarbeitet. Die einzelnen Organisationen haben durch das Geld aus dem Ausland die Möglichkeit ihre eigenen Visionen schneller zu verwirklichen, da ihnen selbst leider keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

Wer helfen möchte, immer gerne: https://www.project-wings.de/jetzt-helfen/

Mein Job als Volontärin war es, zum einen den Kooperationspartnern selbst zu helfen, aber auch alle kennen zu lernen, um das Team in Deutschland ein wenig beim Projektmanagement und beim Konzept für das Volonteering Programm zu unterstützen.

Generation Co – Simolap

Virginia möchte mit ihrer Organisation die traditionellen Pflanzen bewahren und leistet einen riesen Beitrag was die Aufklärung zum Thema Abholzung des Regenwaldes und Alternativen zur Palmöl Industrie angeht.

Welche Abenteuer ich bei ihnen erlebt habe, habe ich ja im vorherigen Beitrag geschrieben.

Care Sumatra – Rangerprogramm

Zurück aus Simolap sind wir weiter nach Batu Kapal, ein Dorf direkt neben Bukit Lawang. Lena und ich standen etwas neben uns von den ganzen Erlebnissen aus Simolap und waren etwas reizüberflutet, als wir wieder in der Zivilisation angekommen sind. Aber wirklich viel Zeit sich zu akklimatisieren hatten wir nicht 😀 .

Kurz bei Erna durchschnaufen, einen Tee trinken, Lukas & Maxi kennen lernen, die zu dem Zeitpunkt bei Erna gewohnt haben und schon ging es weiter.

Lena und ich wurden je auf ein Motorrad gesetzt, natürlich inkl. Gepäck und nach Batu Kapal raus gebracht. Das war ca. eine halbe Stunde Fahrt und ich glaube in der halben Stunde habe ich ein paar Lebensjahre gelassen. Es ging über Stock und Stein, durch kleine Flüsse, über eine Hängebrücke und ich habe des öfteren gedacht – ich bin zu alt für sowas 😀 😀 😀 . Oder ich bin einfach nur eine furchtbar schlechte Beifahrerin.

Wir sind mehr oder weniger heile angekommen, Lena wäre fast vom Motorrad gefallen, weil ihr Rucksack doppelt so groß und schwer wie meiner war und sie hatte noch tagelang Muskelkater im Bauch 😀 .

Das Conservation Center von Care Sumatra liegt am Ende einer „Straße“ nun ja Trampelpfad – sprich: Mitten im Wald. Ein Steinhaus mit einem richtigen Badezimmer (!!!). Also mit einer richtigen Toilette, einer Dusche und einer Tür zum Abschließen. Dafür keinen Handyempfang und keinen Strom, aber immerhin einen Generator, wodurch auch hier der Reiskocher funktioniert. Läuft 😉

Die NGO Care Sumatra hat verschiedene Projekte u.a. das Monitoring von „Orang-Utan Verhalten“ und ein Rangerprogramm, um das Grenzgebiet zum National Park zu beschützen. Wir sind zwei Tage hintereinander mit dem Ranger durch den National Park und das Grenzgebiet gewandert und haben dabei viel von seiner Arbeit kennen gelernt.

Er patrouilliert mehrmals die Woche an der Grenze des National Parks. Der National Park an sich ist geschützt, aber an der Grenze finden gerne mal illegale Abholzungen statt. Zudem klärt er die lokalen Farmer auf, welche Möglichkeiten es gibt, die Tiere, die gerne mal auf ihren Obstplantagen naschen kommen, nicht direkt zu erschießen, sondern sie wieder in den Dschungel zurück zu treiben. So ein Orang-Utan weiß ja nun mal nicht, welche Durian Früchte er jetzt essen darf und welche nicht.

Auf unserer Wanderung haben wir tatsächlich einen Tiger-Fußabdruck gesehen. Hui, das war aufregend. Der Ranger meinte, dass der max. 12 Stunden alt war. Das war schon eine abgefahrene Vorstellung, dass der Tiger kurz vor uns an diesem Ort war… Und natürlich durfte insgesamt die ein oder andere Raucherpause nicht fehlen…

Mich persönlich hat seine Arbeit und die Pläne, die sie haben (ua noch viele weitere Ranger ausbilden) echt beeindruckt und ich freue mich sehr, dass jemand „aufpasst“. Auch wenn es für so ein kleines Team gerade fast unmöglich ist, alles abzudecken. Aber Step by Step kann auch dieses Programm wachsen.

Einen Morgen, ich lag noch im Bett, unter meinem Moskitonetz, auf der Matratze auf dem Boden des gemeinsamen Schlafraums, da kam Lena ganz aufgeregt zu mir. Ich solle schnell aufstehen, die Orang-Utans seien am Haus. WAAAAAAAAAS? Ohhhh Herzklopfen sag ich euch! Schnell runter, schön im Schlafanzug natürlich, Flip-Flops an und zu den anderen, die schon in die Bäume gestarrt haben. Und dann habe ich sie gesehen. Meine ersten wilden Orang-Utans. Wow. Mega. Unfassbar toller Moment. Diese Tiere sind so majestätisch… Wie gebannt haben wir in die Bäume geguckt und wir hatten teilweise echt eine richtig gute Sicht und sie kamen ganz schön nah an uns ran. Oh das war toll! Ich war einfach nur glückselig, wie ich da in meinem Pyjama, noch mit Schlaf in den Augen, mitten im Wald stand und Orang-Utans beobachtet habe.

Erna´s Eco-Farm

Nach drei Tagen in Batu Kapal bei Care Sumatra sind wir dann zu Erna. Erna ist ein Superstar. Sie ist Wonderwoman und ich bin so dankbar, dass ich diese Frau kennen lernen durfte und bei ihr gute zwei Wochen leben konnte. Sie ist so herzlich, lustig, liebevoll und managed zusammen mit ihrem Mann „Papi“ die Familie (Tochter 11, Sohn 5), die eigene Farm, den Aufbau eines Kompost Hauses für das Dorf, kümmert sich darum, dass die Nachbarn Jobs bekommen, hat eine kleine Baumzucht, Hühner, Gänse und Schafe und dann das Haus immer voll mit Volontären, für die sie 3x am Tag kocht, Schulklassen, die bei ihr was über organic farms lernen können und ärgert sich mit dem Gouverment rum, dass sie Gelder bekommt. Diese Frau ist eine Wucht. Und dabei immer am Lachen. Hach mein Herz geht auf, wenn ich von ihr schreibe!

Ernas Haus ist ein wenig auch der Dreh- und Angelpunkt von Project Wings. Dort finden die Meetings mit den Kooperationspartnern statt, man bekommt da eigentlich immer einen Platz zum Schlafen und was zu Essen, auch wenn man nicht direkt für sie arbeitet.

Aber natürlich haben wir ganz fleißig bei ihr gearbeitet. Ich habe mit meinen neuen indonesischen Bauarbeiter Freunden eine Straße zementiert. Das ganze läuft etwas anders ab, als in Deutschland. Also nicht, dass ich jetzt die Zementierungs-Expertin bin, aber ich weiß, dass unser Zementmischer anders aussieht. Und als Arbeitsschuhe sind Flip-Flops und „barfuss“ wahrscheinlich auch nicht unbedingt erlaubt 😉 .

Und ansonsten haben wir viele viele Bäume gepflanzt, Gewächshäuser aus Bambus gebaut, Unkraut gejätet und Kinder auf der Eco-Farm bespasst.

In den 2,5 Wochen bei Erna ist wirklich viel passiert. Wir haben richtig reingehauen und so Feldarbeit ist echt erfüllend. Am Ende des Tages sieht man was man erreicht hat,  man ist müde, schmutzig und glücklich :-).

In der Zeit habe ich auch die anderen Kooperationspartner kennen gelernt, aber davon berichte ich euch beim nächsten Mal.