Gesucht: Reisebegleitung
Zur Sicherstellung, dass es Jenny auch noch in Zukunft gut geht wird dringend eine erfahrene Reisebegleitung ab sofort gesucht!
- Alter: Mitte 20 und aufwärts
- Geschlecht: egal
- Sprachen: Deutsch und Englisch, Vietnamesisch von Vorteil
- Zwingend erforderlich: Ausgeprägter gesunder Menschenverstand!
- Erfahrungen in Nacken und Rückenmassage wünschenswert
Wer bietet sich an? Es wäre sehr hilfreich, wenn sich schnell jemand findet, der ein bisschen auf mich aufpasst, weil ich alleine vielleicht doch etwas Bockmist baue. Bisher hat mich mein Glücks-Gen immer gerettet, aber darauf kann man sich ja nicht immer verlassen…
Als ich am Freitag in Hoi An aufgebrochen bin, um nach Hue zu fahren habe ich darüber nachgedacht was ich euch noch so für nette Storys erzählen kann und dachte noch, naja irgendwann muss es ja auch mal ruhiger werden. Pfff… weit gefehlt! Es wird noch, nun ja ich sag mal spektakulärer und aufregender. Aufregend in jeglicher Hinsicht.
Ich hatte mir überlegt den Highway 1 zu umfahren und den Highway 14 zu nehmen, der etwas mehr durchs Innland führt. Die Wege jenseits des großen Highways sind meistens schöner und etwas spannender. Insgesamt ist die Strecke dann etwas länger, aber der Weg ist ja das Ziel. Und gleich zu Beginn der Strecke wurde ich auch belohnt:
Der Ausblick war mal wieder wunderschön und ich habe die Fahrt genossen. Dummerweise wurde die Straße immer schlechter. Es gab einige Baustellen und die LKWs die vor mir gefahren sind haben wahnsinnig viel Staub aufgewirbelt, sodass ich zwischenzeitlich nichts mehr sehen konnte. Zum Glück habe ich ja meinen hübschen Mundschutz, der mich davor bewahrt hat Tonnen an Dreck zu schlucken.
Die Straße wurde schlechter und die Baustellen größer. Wenn ich von schlechter rede, meine ich Schlaglöcher, kein Asphalt, Sand, Geröll, eine richtig schöne Schotterpiste. Naja ich kann ja langsam fahren. Ich hab regelmäßig die Karte gecheckt, um sicher zu gehen, dass ich auf dem Highway 14 bin. Ja passt! Auf der ein oder anderen Strecke hatte ich das schon mal, dass es eine lange schlechte Straße gab mit vielen Baustellen und sie dann zum Highway wurde. Also bin ich hochmotiviert weiter gefahren. Und die Straße wurde noch schlechter. Steiler, der Sand war tiefer, Schlamm, kleine Bachläufe und obwohl ich super langsam gefahren bin, bin ich mehrfach weggerutscht. Aber meine Emily ist ja ein Offroad Star und hat das grandios gemeistert. Ich habe aber gemerkt, dass meine Konzentration nach lässt und ich keinen Spaß mehr an diesem kleinen Abenteuer habe. Durch das langsame Fahren kommt das Ende nämlich irgendwie nicht näher. Egal, gleich kommt der richtige Highway bestimmt. Positiv denken, das kann ich ja ganz gut.

Das ist noch ein Stück der besseren Straße…
An manchen Baustellen war mir nicht ganz klar welches der Weg ist und was nur Baustelle ist. Die Bauarbeiter, die dann da waren haben mich aber immer ganz brav geleitet, was mir das Gefühl gegeben hat, dass der Highway ja gleich kommen muss. Ansonsten hätten sie mir ja bestimmt zu verstehen gegeben, dass ich umdrehen sollte. Pustekuchen!
An einer relativ großen Baustelle, nach ca. 3 Stunden fahren, endete meine „Straße“ in einer Art Wendehammer. Ich dachte, das kann jetzt echt nicht wahr sein. In dem Moment war da ein Bauarbeiter, der mir die Richtung mitten ins Nichts gezeigt hat. Ich habe ihn fragend angesehen und er hat lächelnd genickt und mir zu verstehen gegeben, dass die Straße schmal ist. Puhhh okay… Er war dann noch so freundlich und hat mir Emily auf diese Straße „gehoben“, da ich alleine den kleinen Hang nicht hoch kam. Oh man, da war ich schon ganz schön bedient, aber was solls, zurück fahren wollte ich auf keinen Fall. Die Strecke war einfach zu anstrengend und der richtige Weg muss ja gleich kommen!
Wenn ich vorher von schlechten Straßen gesprochen habe, meine ich wenigsten Wege, die man als Straßen bezeichnen kann. Aber was dann kam hatte nichts mit einer Straße zu tun. Geröll, Büschen, Abhang, Fuck! (Sorry!) Emily ist mir richtig weggerutscht, die Bremsen haben versagt und ich bin mit mehr Glück als Verstand unten einigermaßen heile angekommen. Den ein oder anderen blauen Fleck nehme ich gerne in Kauf. Tja und was erwartet mich dann? Ein Fluss! Nein kein Bach oder Rinnsal, ein kniehoher Fluss. Ich glaube ich habe so etwas wie „Wollt ihr mich alle verarschen?!“ gesagt und habe den Kopf geschüttelt. Gut, meine Schuhe waren ja eh schon voller Schlamm und Dreck, also kann ich ja mal durch das Wasser laufen und gucken. Mein Handy hat mir wieder brav gesagt, dass ich mich auf dem Highway 14 befinde, dem so genannten Ho Chi Minh Highway. Auf der anderen Seite des Flusses ging ein schmaler Pfad hoch. Also ein Trampelpfad, mitten durch Wald und Dschungel. Ich habe mich wie im schlechten Film gefühlt und war doch etwas überfordert. Die zwei Optionen sind beide scheiße! Umdrehen? Bitte nicht! Nicht noch mal durch das Geröll, Schlamm, Offroad Desaster… Zudem reicht der Sprit nicht für den Rückweg! Weiterfahren? Alleine durch die Büsche? Was ist wenn was passiert? Das nächste Ort ist laut Karte 18km entfernt und ich habe keine Ahnung was mich in den Büschen erwartet.
Ich habe mich für weiterfahren entschieden. Die Tasche mit meinen Techniksachen und wichtigen Unterlagen ans Ufer gebracht und Emily motiviert durch den Fluss zu fahren. Das ging redlich schief! Ich habe Emily nicht über die Steine gekriegt und mir ist mehrfach der Motor abgesoffen. Und dann stand ich da. Mitten im vietnamesischen Nirgendwo, ohne Handyempfang, müde, dreckig, mitten in einem Fluss, die gebeutelte Emily im Wasser und wusste nicht weiter. Oh man, ich kann euch sagen, so eine Situation möchte ich nie wieder erleben! Ich hatte Angst und war völlig überfordert. Irgendwie ist mir in dem Moment klar geworden, in was für einer Situation ich mich befinde und wie bescheuert ich eigentlich bin, dass ich immer weiter gefahren bin anstelle einfach umzudrehen. Tja, kann man nicht ändern…
Ende vom Lied: Ich habe bei 50 Bauarbeitern und Ingenieuren in einer Wellblechhütte übernachtet, die mich am nächsten Tag in ihrem Allradwagen und Emily im Kofferraum zurück zum Highway gebracht haben. Kein Scherz!
Den Weg zurück zur letzten Baustelle habe ich noch geschafft. Ich war so froh als einer der Jungs ein paar Brocken Englisch konnte und mich anscheinen verstanden hat was mein Problem ist. Oh man, ich war echt so erschöpft, ich hätte in Tränen ausbrechen können, aber irgendwie war diese ganze Situation zu surreal. Und mit Händen und Füßen haben wir uns dann verständlich gemacht. Sie haben verstanden, dass ich weder in die eine noch in die andere Richtung mehr fahren kann und sie haben mir erklärt, dass heute niemand mehr in die Zivilisation fährt, ich aber da übernachten kann. Hatte ich eine Wahl? Nein! Also habe ich mich zwischen die Herren gesetzt, die alle von der Arbeit kamen und sich in dem großen Wasserbecken gewaschen haben und wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Nachdem die Köchin mir gezeigt hat, wo ich mich waschen kann und ich mir saubere Sachen angezogen habe, ging es dann doch deutlich besser. Natürlich habe ich großes Aufsehen erregt und habe die Herren durch meine Story alle zum lachen gebracht. Oh man, wenn ich da jetzt dran denke… Was für eine Situation!

Gegessen wurde gemeinsam und zur Feier des Tages wurden dann noch drei Gänse geschlachtet (dumm nur, dass ich gerade zum Vegetarier mutiere und Gans so gar nicht mag). Natürlich saß ich zwischen den ganzen Managern, die sehr darauf bedacht waren, dass es mir gut geht. Interessanterweise gab es keinen Reis, sondern nur Reiswein. Und davon reichlich! Nach jedem Bissen wurden die Gläser wieder gefüllt und angestoßen. Also wirklich nach jedem Bissen. Und alle wollten natürlich mindestens einmal mit mir anstoßen und sich vorstellen.

Einer der Manager hat sich glaube ich verpflichtet gefühlt auf mich aufzupassen und hat mir immer gezeigt, dass ich nur die Hälfte oder nur ein Drittel trinken soll und bei jedem zweiten sollte ich aussetzen. Das war echt ganz süß. Er hat auch brav darauf geachtet, dass ich genug esse und genug trinke. Herrlich! Naja und die Jungs wurden immer betrunkener und ich war unheimlich glücklich über meinen Ehering und habe allen erklärt, dass ich verheiratet bin. Nun ja, trotzdem wurde mir glaube ich das ein oder andere Angebot gemacht. Man muss dazu sagen, dass die Jungs bis zu vier Wochen, wenn nicht sogar länger an diesem Ort leben…
Nach dem Essen hat man sich dann noch zu Tee und „Tabak“ in einem der Gemeinschaftsschlafsräumen getroffen und den Abend ausklingen lassen. Der im blau weiß gestreiften ist mein Aufpasser gewesen ;-).

Der hat mich dann auch gegen neun ins Bett geschickt, wir wollten ja schließlich im fünf Uhr morgens los. Da ich die Tür meines Raumes nicht abschließen konnte habe ich vorsichtshalber mein Taschenmesser unters Kissen gelegt. Es waren zwar alle mega freundlich, aber man weiß ja nie. Das haben sich die Manager glaube ich auch gedacht und haben dann die Köchin zu mir ins Bett geschickt. Also habe ich die Nacht in diesem Bett neben einer vietnamesischen Bauarbeiter Köchin verbracht…

Nun ja, wirklich gut habe ich nicht geschlafen und war froh als ich früh morgens dann aufstehen konnte. Mir wurde noch Frühstück gemacht (die leckeren Instant Nudeln, auch als Yum Yum bekannt) und habe mich dann mit vier Herren und Emily im großen Allrad Wagen auf den Weg zurück gemacht. Selbst der 4WD ist weggerutscht und hat den ein oder anderen Hügel nicht ohne Probleme geschafft. Da war ich doch wirklich sehr sehr glücklich, dass ich diese Strecke nicht noch mal fahren muss.

Am Highway angekommen haben die Jungs mir sogar noch das Motorbike etwas sauber gemacht ;-).
Ohhhhhhh man! Was für ein Abenteuer! Im Nachhinein kann man immer drüber lachen, aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich zwei Tage gebraucht habe um das zu verarbeiten. Jetzt wo ich das so runter schreibe, muss ich lächeln, aber gestern war ich echt noch ein wenig in einer Schockstarre… Wie gut, dass es so wundervolle Menschen gibt, die einem so toll helfen! Ich bin echt so dankbar und seit diesem Erlebnis mag ich die Vietnamesen noch ein bißchen mehr…
Und jaaaa! Ich passe zukünftig besser auf mich auf, aber falls jemand auf das Stellenprofil passt könnt ihr mir eure Kurzbewerbung gerne per Mail senden ;-).