Pause in der Kaffee Hauptstadt

Tag 61: Buon Ma Thout – Vietnam

31° Teils bewölkt

Mein Roadtrip Tagebuch und die ein oder andere Herausforderung des Alltag

Wisst ihr was heute ist? Heute ist der 27.05.15. Und was bedeutet das? Ich bin vor genau zwei Monaten in Asien angekommen. Wow, zwei Monate… Es hört sich irgendwie so viel an, aber wenn ich daran denke, dass ich vor gut zwei Monaten noch in Deutschland war kann ich es überhaupt nicht glauben, dass es erst zwei Monate sind. Gefühlt ist es mindestens ein halbes Jahr. Und wie verbringt man so ein Jubiläum? Mit gar nichts tun. Richtig. Gaaaaar nichts… Nichts angucken, nirgendwo hinfahren, sondern einfach nur im Hotel liegen, lesen, Filme schauen, Blog schreiben und entspannen. Die letzten Wochen waren so aufregend und spannend, dass ich meinem Körper eher selten eine Pause gegönnt habe und das habe ich die letzten Tage gemerkt. Ich war ziemlich müde und antriebslos und habe daher entschieden mir einen „Jenny Tag“ in einem Hotel zu gönnen. Und ich finds super :-D. Hier gegenüber ist ein Supermarkt wo ich mich gleich noch mit Köstlichkeiten versorgen werde und dann werde ich allerhöchstens zum Abendessen noch mal raus. Wenn man so lange auf reisen ist, ist es wichtig immer mal wieder Stops einzulegen und dem Kopf die Chance geben alles zu verarbeiten.

Ja wo bin ich denn eigentlich? Hier:

Karte

Der Ort heißt Buon Ma Thout und wird auch Vietnams Kaffee Hauptstadt genannt. Wenn ich es richtig verstanden habe herrscht hier das beste Klima für den Kaffee Anbau. Aber wirklich auseinander gesetzt habe ich mich mit dieser Stadt noch nicht. Ich arbeite mich gerade langsam, im Zick Zack, in Richtung Norden. Mein Plan ist es am 12.06. in Hanoi zu sein, weil ich dann sehr wahrscheinlich dort Besuch bekomme.

Und wie geht es mir bis auf die leichte Reise Müdigkeit? Grandios würde ich sagen! Ich genieße diese Tour in vollen Zügen und kann mein Glück kaum fassen, dass mir das gerade wirklich passiert. Aber natürlich ist nicht alles so ganz 100%ig toll. Mit zwei drei Dingen habe ich allerdings schon auch zu kämpfen…

In Mui Ne haben sich noch ein paar Sandflies bei mir verewigt und darunter leide ich immer noch. Sandflies sind kleine Käfer, die teilweise an Stränden zu finden sind und die dich beißen. Diese Bisse sind drei mal so schlimm wie Mückenstiche. Sie jucken wahnsinnig und es dauert eeeeewig bis sie verschwinden. An meinem linken Unterschenkel habe ich mehr als hundert Stiche. Da kommt Freude auf kann ich euch sagen. Zum Glück ist es in den Bergen etwas kühler sodass ich lange Hosen tragen kann, da dieser Anblick nicht wirklich schön ist. Also drückt mir die Daumen, dass es bald überstanden ist.

Und dann als kleiner Nachteil vom Motorrad fahren, ich kann mit meiner rechten Hand keine Stäbchen halten und auch Gabel und Löffel ist manchmal schwierig :-D. Nach einem langen Tag auf der Straße ist die Gas gebende Hand halt müde, aber man kommt sich schon komisch vor, wenn einem die Stäbchen einfach aus der Hand fallen. Haha aber das sind Luxus Probleme.

Woran ich mich hier noch ein wenig gewöhnen muss, ist mein anscheinend sehr außergewöhnliches Aussehen. Dadurch, dass ich hauptsächlich an den nicht Touri Orten unterwegs bin, werde ich fast immer und überall angestarrt. Die Einheimischen rufen mir was zu, laufen oder hupen mir hinter und starren mich teilweise an, als wäre ich vom anderen Stern. Das habe ich so auch noch nie erlebt und empfinde es teilweise als faszinierend und teilweise etwas befremdlich. Aber es freut mich zu sehen, dass ich hier viele Menschen mit einem einfachen Lächeln, einem Hallo oder einem Danke sehr glücklich machen kann. Da man in den Nicht Touri Regionen mit englisch nicht wirklich weiter kommt, versuche ich meine Vietnamesisch Kenntnisse immer mehr zu vertiefen, damit ich auch mal selbst entscheiden kann, was ich essen möchte. Ansonsten ist es nämlich meistens eine Überraschung was auf meinem Teller landet ;-). Hier wusste ich es ausnahmsweise mal.

Breakfast Lunch_Muscheln

So, ich werde mir jetzt ein kleines Mittagsschläfchen gönnen und dann mal sehen was der Tag noch so bringt. Da ich ja soviel Zeit gestern und heute hatte, habe ich fleißig an meinem Roadtrip Tagebuch geschrieben, sodass ihr verfolgen könnt was ich die letzten Tage so erlebt habe: Tag 1

Meine Tipps zum Roadtrip in Vietnam habe ich auch mal runter geschrieben, die findet ihr hier.

Vielleicht gehe ich aber doch erst noch einen von diesen köstlichen Kaffees trinken… Die Qual der Wahl.

Coffee break

Schmetterlinge im Bauch in Ho Chi Min City

Tag 52: Mui Ne – Vietnam

28° – überwiegend bewölkt

Eine verrückte Woche in Ho Chi Min und ein neues Familienmitglied – Roadtrip Baby

Ich bin noch nicht mal eine Woche in Vietnam??? Verrückt! Es fühlt sich an wie Wochen, wenn nicht sogar Monate. Ohhhh man, was für eine verrückte und aufregende Woche in Saigon. Haha, ich bin immer noch total geflasht. Ich war ja nun schon ein paar Mal in Asien und dachte, dass ich das Chaos in den asiatischen Großstädten gewohnt bin, aber mit dem was mich in Saigon erwartet hat, habe ich so gar nicht gerechnet. Es ging schon beim Landeanflug los. Ein Blick auf die Straßen und man fragt sich nur „Was ist das?“. Roller! Hunderte, tausende, keine Ahnung wie viele Roller. Nicht vergleichbar mit Bangkok oder Hanoi. Das ist echt der Knaller. Alles fährt wild durcheinander, als Außenstehender hat man überhaupt kein Verständnis dafür, wie das funktionieren kann. Und der Geräuschpegel dazu, hupen, rufen, Motorengeräusche, tausende Menschen überall… Der Wahnsinn… Ich war total geplättet als ich im Hostel ankam und wusste nicht, ob ich es ganz schrecklich finden soll oder lustig und faszinierend. Die Wahl fiel auf lustig und faszinierend und ich habe mich köstlich am nächsten Tag amüsiert einfach nur in den Straßen zu sitzen einen Kaffee zu trinken und dem Treiben zu zusehen.

Der Kaffee – ein weiteres Highlight meiner ersten Tage in Vietnam. Man trinkt hier ganz starken Espresso, der aber irgendwie samtweich ist, auf zuckersüßer Milch mit viel Eis. Köstlich! Wirklich. Erst bekommt man einen Zuckerschock und dann ist man abhängig. Und die Vietnamesen lieben Kaffee. An jeder Ecke gibt es ein kleines Café mit Tischen und Hockern. Für uns großen Menschen nicht immer so bequem, da alles etwas niedriger ist.

Vietnam Kaffee

Über dieses so genannte Internet habe ich einen Einheimischen kennen gelernt, der mich den ersten Tag durch die Stadt gefahren hat und alle wichtigen Sightseeing Punkte abgeklappert hat. Das waren dann auch die ersten Schmetterlinge im Bauch… Ich auf einem Roller durch diesen Verkehr??? Auch wenn ich nur hinten drauf sitze und der Einheimische wohl wissen wird was er macht. Puh. Herzklopfen! Aber es war geil. Oh man macht das einen Spaß in diesem Gewusel mitzumischen und irgendwie ist es gar nicht so schlimm. Das Bild hier ist die ganz harmlose Variante. Irgendwie habe ich vom absoluten Roller Chaos kein Foto gemacht, weil ich immer so fasziniert war ;-).

Roller HCMC  Roller Parkplatz HCMC

Ho Chi Min City hat einige Sehenswürdigkeiten, wie das alte Postoffice, einen Dom und auch ein Kriegsmuseum. Der Vietnam Krieg spielt, touristisch gesehen, noch eine sehr große Rolle. Es wird häufig thematisiert und es gibt viele Orte die man diesbezüglich besichtigen kann. Das Kriegs Museum ist faszinierend und erschreckend zugleich. Die Bilder haben mich sehr betroffen gemacht und die Stimmung im Museum insgesamt war sehr bedrückend und ziemlich sicher sind hier schon einige Tränen von Besucher geflossen. Neben dem Museum kann man von Saigon aus noch zu den Tunneln fahren in denen sich die Vietnamesen vor den Amis verschanzt haben. Man sieht wie sie in diesem Tunnelsystem gelebt haben und hat auch die Möglichkeit selbst durchzuklettern. Ein weiteres Highlight ist es hier, dass man die Möglichkeit hat mit einer Kalaschnikow zu schießen. Anscheinend einer der wenigen Orte auf dieser Erde wo das legal ist. Was für die einen ein Highlight ist, ist für die anderen eher abstoßend. So sehen übrigens die Eingänge aus für die Tunnel. Dieser wurde für die Touristen etwas vergrößert ;-).

Cu Chi Tunnel HCMC

Ja was macht man sonst noch so in Ho Chi Min City? (Der Name wurde übrigens schon 1975 geändert, aber so ganz durchgesetzt hat er sich noch nicht und es ist sehr häufig die Rede von Saigon.) Man fährt zum Beispiel einen Tag zum Mekong Delta und lässt sich durch die wunderschönen Gewässer schippern.

Mekong Delta HCMC

Mekong Delta HCMC  Mekong Delta HCMC

Und ansonsten lässt man diese Stadt einfach passieren. Ich kann das ganz schlecht beschreiben, aber irgendwie passiert die ganze Zeit irgendwas ohne das man weiß wie und warum das so ist. Zum Beispiel saß ich auf einmal bei einem Einheimischen auf dem Roller, der mich einmal quer durch die Stadt gefahren hat, um mich zu einer Garage zu bringen, die Roller verkaufen. Und plötzlich saß ich am Steuer seines Motorrads und er war der Meinung, dass ich ihn mal ein bißchen durch die Stadt kutschieren könnte. Wuaaaahhhh, ich? in diesem Verkehr? mit dem Uralt Roller? und dann auch noch einer hinten drauf? Puh… Adrenalin!

Und plötzlich sitzt man mit einem Expat (ein Europäer, der seit 7 Jahren in Asien lebt) an einem einheimischen Restaurant am Fluss, liest sich die Karte durch und findet Dinge wie Frosch Poridge, gegrillte Schlange oder Reis „Dog Style“. Es kann kein Touristen Gag gewesen sein, da wir die einzigen Europäer waren und der Laden war groß… Was man natürlich auch machen kann ist, über diesen Steg zu laufen um sich die Boote der einheimischen Obstverkäufer anzusehen, die zwischen ihren ganzen Bananen auf einem Boot in einer Hängematte leben.

Bananen Boot HCMC

Oder man isst eins der vielen wunderbaren Gerichte, oder man guckt den Hip Hop tanzenden Mädels im Park zu, oder man quatscht mit einem der vielen Backpacker, die sich alle auf der „Bui Vien“, der „Khao San Road“ Vietnams tummeln oder man testet sich durch die farbenfrohe Obstwelt, oder oder oder…

Ich hätte noch tagelang in dieser dynamischen und wuseligen Stadt bleiben können, aber irgendwie bin ich auch froh dem Chaos entflohen zu sein.

Nun ja und das aller wichtigste was mir in Saigon passiert ist… Ich habe Familienzuwachs bekommen :-). Ihr Name ist Emily. Für die Mädchen: sie ist rot, lila, schwarz. Für die Jungs: es handelt sich um eine Honda Wave, 110, Halbautomatik. Ich habe mir einen Roller gekauft :-). Ja ich habe es tatsächlich getan und bin unheimlich glücklich und stolz. Karl (mein Rucksack) und Emily werden sich wunderbar verstehen, da bin ich mir ganz sicher! Wir drei werden gemeinsam die ca. 1.900 km zurück legen, um in den Norden Vietnams zukommen und natürlich wird häufig auf dieser Strecke gestoppt. Heute Morgen ging es los und ich plane gegen Mitte Juni im Norden zu sein um das Kinderprojekt zu machen. Ein festes Startdatum habe ich da oben nicht und kann es glücklicherweise flexibel handhaben.

Jetzt bin ich gerade in Mui Ne, einem Strand- und Touristenort und plane hier zwei drei Tage zu bleiben. Danach geht es wahrscheinlich weiter nach Da Lat, einem Outdoor Sport Ort in den Bergen. Wir werden sehen, ob die Reizüberflutung so weiter geht…