Dienstag 19.05.15
120km
Traumkulisse, Dirt Road, Melonen und der gute Highway 1
Der erste richtige Tag auf der Straße. Der erste Tag, wo ich nicht wirklich wusste was mich für Straßen erwarten, ob ich heile ankomme, ob meine Emily die Strecke schafft und wie ich mit dem langen Fahren zurecht komme.
Und soll ich euch was sagen? Ich war nervös! Und zwar ziemlich. Emily hat am Abend vorher noch ein bißchen rum gezickt und wollte nicht anspringen. Nach mehrfachen Versuchen ging sie dann an, aber ich hatte trotzdem ein ungutes Gefühl. Morgens bin ich wach geworden und hatte immer noch ein eher flaues Gefühl im Magen und dachte nur: Jenny, was machst du hier denn eigentlich? Du hast keinen Motorrad Führerschein! Du hast keinen guten Orientierungssinn! Du hast null Ahnung von technischen Dingen und kannst noch nicht mal einen Reifen wechseln! Wie zum Teufel bist du darauf gekommen, alleine mit dem Roller durch Vietnam zu fahren?!?!?! Wirklich, ich war mir plötzlich völlig unsicher und konnte mir gar nicht vorstellen, dass Abenteuer zu starten.
Haha, klassischer Fall von Lampenfieber würde ich sagen, oder? Aber gut, da musste ich durch. Also ohne wirklich euphorisch zu sein, habe ich meinen Rucksack fest geschnallt, mir noch mal die Strecke angesehen und bin los gefahren. Emily ist zum Glück direkt angesprungen was mich ein bißchen beruhigt hat. Nun ja, es hat keine 10min gedauert und ich habe mich tierisch wohl gefühlt und habe mich des Lebens gefreut, dass ich gerade mit meinem eigenen Roller durch Vietnam fahren. Bei diesem Ausblick auch nicht schwierig oder?
Da meine Abenteuerlust auch relativ schnell durchgekommen ist habe ich mich nach ca. 30km für die Dirt Road und nicht für den sicheren asphaltierten Weg entschieden. Ich bin echt so ein Eumel. Kurz vorher noch Angst gehabt und kurz darauf finde ich mich inmitten von Sanddünen auf einer wirklich sehr sehr schlechten Straße wieder. Sand, Geröll, fast keine anderen Menschen und dann Emily, Karl und ich :-D. Die Straße war so schlecht, dass ich max. 10km/H fahren konnte, aber die Aussicht und das Gefühl. Unbeschreiblich!
Ein bißchen mulmig wurde mir, als da so eine riesen große schwarze Wolke auf mich zu kam und weit und breit keine Unterstellmöglichkeit zu sehen war. Also bin ich tapfer weitergefahren und auf mein Glückskind-Gen vertraut. Und so war es auch mal wieder, die Wolke ist in eine andere Richtung abgezogen und ich konnte meinen Holter-die-Polter Trip trocken fortführen. Nach 1,5 Stunden durch die Walachei fahren, kam ich dann in einem kleinen Dorf an in dem ich wirklich von fast allen fröhlich begrüßt worden bin. Es ist wohl eher ungewöhnlich dort eine europäische Alleinreisende Frau auf ihrem Roller anzutreffen. Ich habe die Zivilisation für eine kurze Pause genutzt und habe mit einer Familie Wassermelone gegessen. Die Gastfreundschaft hier ist wirklich einmalig. Das Baby der Familie fand mich wohl etwas zu skurril und hat erst mal angefangen zu weinen, als es mich gesehen hat. Naja, aber man kann es ihm ja nicht verübeln, im Vergleich zu den restlichen Bewohnern bin ich ja auch ein Riese ;-).
Einige Schlaglöcher und Wegrutschen später bin ich dann wieder auf asphaltieren Straßen angekommen und war glücklich, dass ich diese schwierige Strecke so grandios gemeistert habe. Da mich das ganze aber doch ziemlich viel Zeit gekostet hat war ich froh, dass ich danach auf dem so genannten Highway 1 ordentlich Kilometer machen konnte um endlich anzukommen. Der Highway 1 ist die „Autobahn“, die sich einmal komplett die Küste entlangzieht. Hier sind die ganzen Busse, LKWs und Autos unterwegs und für Rollerfahrer nicht immer so ganz einfach. Es gibt viele Baustellen, viele große Autos und man muss ziemlich konzentriert fahren. Aber für die letzten 40km war das auch in Ordnung…
Aber plötzlich haben weder Tacho noch KM Anzeige mehr funktioniert und auch das Licht wollte einfach nicht angehen. Da war das mulmige Gefühl vom Morgen wieder da. Was ist da los und muss ich mir ernsthaft Gedanken machen? Da ich auch so schon ziemlich müde war habe ich erst mal eine ausgiebige Kaffee Pause gemacht um die letzten 30km auch noch unbeschadet zu überstehen. das habe ich dann auch geschafft und als ich dann endlich mein Hotel gefunden hatte war ich einfach nur froh und glücklich da zu sein.
Und natürlich habe ich auf meinen ersten Roadtrip Tag mit dem ein oder anderen Bierchen angestoßen. Das Wort Bier ist ja zum Glück in gefühlt jeder Sprache verständlich…
Und wie es am nächsten Tag weiter ging kannst du hier sehen.





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