Lange, lange ist es her, dass ich hier was geschrieben habe, aber jetzt ist es mal wieder soweit :-).
Kurze Zusammenfassung was seit meinem letzten Beitrag passiert ist.
Zusammenfassung der letzten 1,5 Jahre:
In Kanada bin ich leider nicht so richtig angekommen und war einfach nur reisemüde, oder vielleicht kann man es auch Heimweh nennen. Nach drei Monaten habe ich mich dann entschieden nach Deutschland zu fliegen. Diese Entscheidung ist mir unendlich schwer gefallen, da Kanada für mich ja immer ein Sehnsuchtsland war, aber manchmal muss man es hinnehmen, dass es einfach nicht die richtige Zeit ist.
Von Mai 2018 bis Oktober 2019 war ich dann hauptsächlich in Deutschland, bis auf Trips nach Porto, Kapstadt / Südafrika und einen Roadtrip von Berlin nach Riga. Gewohnt habe ich in der weltbesten Geschwister-WG mit meinem Bruder in Bielefeld, hatte aber ein paar Projekte in Berlin und Frankfurt, wodurch ich sehr viel in Deutschland hin und her gereist bin. Ohne Reisen geht es dann halt doch nicht ;-).
Im Oktober ging es aber doch wieder weiter weg und ich habe mal wieder meine Kisten gepackt und sie im Keller verstaut. Zurück nach Asien, zurück in meine zweite Heimat. Wie sehr ich das wuselige und chaotische Leben in Asien vermisst habe, habe ich erst gemerkt, als ich wieder hier war :-D.
Gestartet habe ich bei Olli in Krabi. Vier Wochen in meinem kleinen Paradies, um erst mal wieder klar zu kommen, um die letzten ereignisreichen und emotionalen Wochen/Monate zu verarbeiten. Und wie immer ist der Plan aufgegangen, dass das Bananas und dieser wunderschöne Ort, Ruhe in meinen Kopf und Körper gebracht hat. Von da aus ging es dann nach Sumatra, das geografisch gesehen gar nicht soweit von Krabi entfernt ist, aber gefühlt ist es doch eine komplett andere Welt.
Doch wie kam es denn überhaupt dazu, dass ich nach Sumatra gereist bin?
Ein Abend Ende September… Etwas viel Rotwein, da es mal wieder irgendwas zu verarbeiten gab, bei dem so eine Flasche Rotwein Wunder bewirken kann :-D. Am nächsten Morgen etwas verpeilt wach geworden, hab ich durch meine Facebook Timeline gescrollt und plötzlich einen Beitrag entdeckt, der mir Bauchkribbeln verursacht hat und ich mit einem Schlag hellwach war. Ein Basti hat in der Gruppe „Urlaub gegen Hand“ geschrieben, dass sie Volontäre für ein Projekt auf Sumatra suchen, um das größte Recyclingdorf der Welt zu bauen. Ich war direkt total begeistert und angefixt. Ohne auch nur einen Schluck Kaffee zu trinken, habe ich mir die Webseite angeguckt und habe erstmal direkt gespendet, weil ich dieses Projekt unbedingt unterstützen wollte. Vier junge Deutsche habe eine Hilfsorganisation namens „Project Wings“ gegründet, um Einheimischen zu helfen, die sich zum Ziel gesetzt haben den Regenwald und die Artenvielfalt zu schützen, das Thema Recycling und Plastikmüll anzugehen und aufzuklären, dass es keine gute Idee ist, weitere Palmöl Plantagen zu errichten.
Ich war echt direkt Feuer und Flamme und mein ganzer Körper hat gekribbelt, weil ich irgendwie unterbewusst gemerkt habe, dass dieses Projekt irgendeinen Einfluss auf meinen Lebensweg nehmen wird. Mein gutes altes Bauchgefühl funktioniert inzwischen wieder einwandfrei. Ein paar Telefonate und Nachrichten später war klar – ich fliege nach Sumatra, um das Projekt vor Ort, bei den Kooperationspartner direkt zu unterstützen. Und genau da sitze ich gerade…
Bukit Lawang
Von Krabi bin ich nach Medan geflogen und wurde dort von Anto, dem lokalen Volontär Manager und Lena einer weiteren Deutschen abgeholt und gemeinsam sind wir die vier Stunden bis nach Bukit Lawang gefahren. Ich habe wie ein kleines Kind an der Fensterschreibe geklebt, um möglichst viel zu sehen und kennenzulernen. Vor 2,5 Jahren war ich ja bereits in Indonesien – auf Bali, doch irgendwie hatte ich viel vergessen und Sumatra ist noch mal anders. Der Verkehr ist mit Abstand der chaotische, den ich je erlebt habe. Das ist echt schon nicht ohne, wie sich hier all die verschiedenen Verkehrsteilnehmer organisieren, ohne, dass irgendwas passiert. Roller, Motorräder, Busse, Autos, Trucks und bei dem ganzen Spaß dürfen natürlich ne Handvoll Hühner und Kühe nicht fehlen. Ich war froh, dass ich nicht selbst fahren musste.
In Bukit Lawang sind wir im hübschen Guesthouse Cheeky Monkey untergekommen, um erst mal in Ruhe anzukommen. Lena kam direkt aus Deutschland und war dementsprechend ziemlich müde.
Ein paar Bilder der „Stadt“, der Fluß ist der Mittelpunkt in Bukit Lawang und fast alles findet hier statt:



Am nächsten Tag haben wir Jakob kennen gelernt, einen Volontär, der die letzten zwei Monate vor Ort war und der uns einen ersten Überblick gegeben hat. Das ganze Programm steckt noch sehr in den Kinderschuhen, aber was gibt es schöneres als so ein Projekt mit aufzubauen?
Lena und ich haben noch ein wenig das Dörfchen Bukit Lawang erkundet und uns darüber gefreut, dass wir uns auf Anhieb so unfassbar gut verstanden haben.

Wir haben zwei Kooperationspartner kennen gelernt, ua. Erna, die hier vor Ort eine Eco Farm hat und Setzlinge für verschiedene Baumarten zieht. Dort haben wir 150 Bäume bestellt, um diese am nächsten Tag nach Simolap zu bringen, ein Ort an dem ich an die Grenze meiner Abenteuerlust gestoßen bin.
Palmöl Plantagen
Simolap liegt ca. 2 Std. von Bukit Lawang entfernt. Angeblich gibt es kaum Taxi Fahrer, die dort hin fahren, weil es zu gefährlich ist und ich kann es irgendwie nachvollziehen, dass man diese Strecke nicht unbedingt regelmäßig mit dem Auto fahren möchte. Mit dem Offroad Motorrad ist es, glaube ich, in Ordnung, aber mit dem Auto gibt es schon einige tricky Stellen.
Vorher sind wir noch schnell bei Erna vorbei, um die Bäume einzupacken und dann ging das Abenteuer auch schon los.

Tanken auf indonesisch…

Raus aus der Stadt und rein in die Palmöl Plantagen. Es war unglaublich… Kilometerlange Palmöl Plantagen, Reihe an Reihe, man hat nichts anderes gesehen und es war wirklich sehr erschreckend. Obwohl das Thema Palmöl Plantagen ja bekannt ist, war es ganz furchtbar das Ausmaß zu sehen. Ich habe mich gefühlt wie im verbotenen Wald von Harry Potter. Es hat sich einfach nicht richtig angefühlt und es hatte was sehr bedrohliches. Vor allem, wenn man die Hintergründe kennt.

Als die großen Firmen angefangen haben Palmöl aus Sumatra zu beziehen, haben sie den Locals $30 pro Kilo geboten. Natürlich sind viele Einheimische angesprungen und haben Palmöl Plantagen gebaut, da sie sehr einfach zu pflegen sind. Sie wachsen vor sich hin und alle zwei Wochen kann man ernten. Inzwischen liegt der Preis bei deutlich weniger als $1, wodurch die Einheimischen natürlich Probleme haben, ihr Überleben zu sichern. Und neben der Tatsache, dass für die Plantagen viel vom Dschungel gerodet wurde, sind diese Pflanzen schlecht für den Boden. Sie haben eine Wurzelstruktur, die viel Fläche einnimmt und nichts anderes darauf wachsen kann und sie benötigen viel Wasser, wodurch die Wasserbestände in Mitleidenschaft gezogen werden. Es ist wirklich traurig zu sehen und motiviert mich zeitgleich zukünftig viel stärker auf die Inhaltsstoffe von Produkten zu achten. Palmöl ist ja nicht nur in Nutella und KitKat, sondern auch in verdammt vielen Seifen und Fertigprodukten – naja eigentlich ist es überall drin :-(.
Viele einheimische Organisationen versuchen die Farmer davon zu überzeugen, dass es nachhaltiger ist Obstplantagen anzubauen. Auch, wenn die deutlich mehr Arbeit bedeuten… Leider steigt weltweit die Nutzung von Palmöl weiter an, wodurch es schwer ist die Locals zu überzeugen, trotz furchtbar niedrigen KG Preisen.
Raus aus den Plantagen, rein in die Rutschpartie. Die Straßen waren teilweise echt schlammig und ich hatte etwas Sorge, dass wir heile ankommen. Ich weiß aber nicht, ob meine Abenteuerlust sich verändert hat oder ich einfach älter geworden bin und mich solche Fahrten deshalb mehr stressen :-D.
Simolap
Und irgendwann endete die Straße an einem Fluss. Einbahnstraße und so und das hieß, wir sind da! Über eine sehr wacklige Brücke sind wir dann zu unserem Zielort gekommen, eine kleine Dschungel Community, die sich neben den heißen Quellen ein kleines wunderschönes Camp aufgebaut haben.

Virgina, eine Französin, die vor einigen Jahren ausgewandert ist, um die traditionelle Medizin kennen zu lernen hat sich dort, zusammen mit ein paar Einheimischen ein Zuhause aufgebaut. Die Jungs, die dort mit leben sind im Dschungel groß geworden und der ein oder andere hat mich schon stark an Mowgli erinnert :-D.

Wir haben unsere Einkäufe und die 150 Bäume über die Brücke getragen und habe eine kleine Führung von Virgina bekommen. Was für ein abgefahrener Ort. Mitten im Nichts. Eine kleine Insel, umrundet vom Fluss und fast alles was man dort findet, wurde aus Bambus, Palmenblättern oder sonstigen Materialen gebaut, die man im Dschungel findet.
Und wie es dort genau aussieht und was wir dort erlebt haben, erzähle ich euch im nächsten Beitrag :-). Insgesamt waren wir fünf Tage vor Ort, haben im Baumhaus gelebt, Bäume geplanzt und in heißen Quellen gebadet. Eine total surreale Zeit, die mir aber auch die Grenzen meiner Komfortzone und eben auch der Abenteuerlust aufgezeigt hat…
Hallo Jenny,
schön das du wieder auf Sendung bist. ich bin gespannt auf deine weiteren Öko-Aktivitäten. Ich hänge gerade auf dem Hbf. in FFM ab und habe so etwas von den Kanal voll vom „Reisen“..Schade, das du Weihnachten wieder nicht dabei bist – deine Gesangsstimme wird fehlen…
Viel Spaß noch
Onkel Mathe
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